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Das Gesetz der Anziehung - Sinn oder Unsinn?

Das Traumhaus, der Traumpartner, das fünffache Gehalt...

Ist es wirklich möglich, die Dinge, die man sich wünscht, einfach per Gedankenkraft anzuziehen? Mit dieser Frage möchte ich mich in diesem Artikel näher beschäftigen. 

 

Folgende Themen erwarten Dich: 

  1. Worum geht es beim "Gesetz der Anziehung"?
  2. Risiken & Nebenwirkungen der Theorie
  3. Positive Aspekte der Methode
  4. In den richtigen Kontext gesetzt
  5. Fazit

 

Worum Geht es beim Gesetz der Anziehung?

Im Dezember 2012 erschien erstmalig die deutsche Ausgabe eines Buches, was zu viel Kontroverse geführt hat, aber auch sehr viele Anhänger und Interessierte fand. Die Nachricht, die dieses Buch enthielt verbreitete sich schnell und es folgte eine Flut an Autoren, Speakern und Trainern, die dieses Thema aufgriffen, im deutschsprachigen Raum verbreiteten und auf ihre Kernthematik anpassten. Die Rede ist von dem Buch "The Secret". Das Buch selbst ist eine Abwandlung, bzw. Weiterentwicklung des Buches "The law of attraction", welches die Grundthematik erstmalig zur Sprache brachte. 

 

Doch worum geht es denn nun?

 

Das Gesetz der Anziehung besagt nichts Anderes als dass Gleiches, Gleiches anzieht und wir uns diese Tatsache zu nutzen machen können, indem wir bewusst die Dinge in unser Leben ziehen, die wir für erstrebenswert und wünschenswert halten. Das funktioniert -laut aussage dieses "Gesetzes"- durch die Kraft unserer Gedanken. So soll immer das eintreten, worauf wir uns mental fokussieren. Laut dem "Gesetz der Anziehung" wirkt dieses Prinzip immer, ob wir uns nun auf positive oder auf negative Dinge fokussieren, wir ziehen sie damit an. Allerdings nicht sofort, sondern zeitverzögert. So kann es -nach dieser Theorie- sein, dass wir Dinge unbewusst anziehen, die erst Jahre später eintreten, wir sie dann aber nicht mehr bewusst mit unseren Gedanken in Verbindung bringen, da wir uns nicht mehr daran erinnern können, einmal über den entsprechenden Umstand, nachgedacht zu haben. 

 

Laut dem "Gesetz der Anziehung" können wir uns diesen Prozess aber zunutze machen indem wir beginnen, bewusst nur noch an die Dinge zu denken, die wir uns auch wünschen und Dinge, die wir nicht wollen, aus unseren Gedanken zu verbannen. Dazu schlägt das Buch "The Secret" einige Methoden und Herangehensweisen vor, die es uns erleichtern sollen, in diesen Prozess einzusteigen, und ihn allmählich als vorherrschendes Gedankenmuster zu integrieren.  

 

 

Risiken & Nebenwirkungen der Theorie

Grundsätzlich steckt einiges wirklich wertvolles in dem Buch "The Secret" und der dazugehörigen Theorie. Darauf werde ich auch gleich noch näher eingehen. Zunächst möchte ich mich aber einmal mit den Dingen befassen, die aus meiner Sicht sehr problematisch sind und durchaus das Gegenteil von dem bewirken können, wozu es eigentlich gedacht ist. 

 

1. Die Eigeninitiative wird nicht miteinbezogen

Das "Gesetz der Anziehung sagt uns, dass alles, was wir denken, auch eintritt, weil wir es -wie ein Magnet- anziehen. Es wird mehrfach beschrieben, dass dies durch die Kraft des Universums geschehe, sodass wir nur unsere Bestellung aufgeben und uns zurücklehnen müssten, bis das erwünschte Ergebnis eintritt. Dies halte ich für sehr problematisch. Dem Leser wird suggeriert, dass Erfolg keine Frage des eigenen Handelns ist, sondern allein ein Resultat seiner Gedanken. Zunächst mag das vielleicht toll klingen. Es erweckt den Eindruck, dass Anstrengung, Durchhaltevermögen und Eigeninitiative keine Notwendigkeiten in Bezug auf den persönlichen oder auch beruflichen Erfolg darstellen. Es suggeriert aber auch, dass diese Eigenschaften keinen Effekt auf unser Leben haben und zu keinem Ergebnis führen, solange wir das Gesetz der Anziehung nicht berücksichtigen. Dass also der Gedanke an den Erfolg, an das Auto, oder die Traumreise genügen, um entsprechendes Ergebnis auch zu erzielen. 

 

2. Schuldgefühle können geweckt werden

Es ist immer gut im Falle eines Rückschlages zu reflektieren, welchen Anteil man an der Situation hat und wie man aus seinen Fehlern lernen kann. Jedoch gibt es Schicksalsschläge, für die niemand etwas kann.

"The Secret" geht aber ganz klar davon aus, dass egal, was man denkt, auch eintritt. So wäre auch ein Unfall, eine Erkrankung, der Verlust des Jobs oder der Tod des Ehepartners ein Produkt unserer Gedanken und der damit verbundenen Energie, die wir ins Universum senden. Die Autorin des Buches räumt zwar ein, dass kein Mensch bewusst negative Erfahrungen anzieht, erklärt aber weiter, dass unschöne Ereignisse immer das Produkt, unbewusster negativer Gedanken seien. Diese Theorie empfinde ich als höchst schwierig, da sie Schuldgefühle in uns auslösen kann an Stellen, an denen sie völlig fehl am Platz sind und uns daran hindern, schlimme Erfahrungen, aufzuarbeiten und über sie hinwegzukommen. 

 

3. Kontraproduktives Verhalten durch falsche Annahmen

Das Gesetz der Anziehung empfiehlt seinen Lesern, Dinge zu tun, die kongruent zu ihrem Wunsch sind, schon bevor das gewünschte Ergebnis eingetroffen ist. Ziel dieser Empfehlung ist es, eine Emotion hervorzurufen, die der Emotion entspricht, die wir uns von unserem gewünschten Erfolg erhoffen. Diese Emotion ruft -laut dem Gesetz der Anziehung- die benötigte Energie hervor, um das Universum dazu zu bringen, das gewünschte Ergebnis für uns zu liefern. In der Theorie ein schöner Gedanke. In der Praxis kann das aber mächtig nach hinten losgehen. Es gibt Menschen, die dieser Empfehlung nachgekommen sind und sich z.T. hoch verschuldet haben weil sie der festen Überzeugung waren, wenn sie heute Anschaffungen machten, die ihrem Wunsch nach Reichtum entsprechen, würde sich das morgen auf ihrem Konto widerspiegeln. Das tat es auch. Aber eben nicht in Form von Reichtum, sondern in Form einer hohen Überziehungssumme. 

 

4. Die Darstellung einer Gesetzmäßigkeit

Es gibt viele schöne Theorien in allen Bereichen des Lebens. Jede Wissenschaft beruht auf Annahmen und Theorien. Unsere Medizin ist Produkt unseres aktuellen Wissenstandes. Der Mensch arbeitet mit Theorien. Theorien können bestätigt oder widerlegt werden. Sie können weiterentwickelt werden und sind niemals vollumfänglich richtig oder falsch. So glaubten die Menschen bis vor einigen hundert Jahren, der Aderlass sein DAS Mittel der Wahl für bzw. gegen so ziemlich alles. Mit der Zeit wurde der Indikationsradius kleiner und heute ist diese Methode so gut wie gänzlich aus der Medizin verschwunden. Heute sind Antibiotika, Impfungen und andere Pharmazeutika die probaten Mittel der schulmedizinischen Heilkunde. Doch auch hier kommen Zweifel auf, da immer mehr Menschen Resitenzen und Unverträglichkeiten entwickeln. Die Theorien, die zur Einführung dieser Mittel und Methoden geführt haben, müssen also überprüft werden. In einigen Jahren (Jahrzehnten, Jahrhunderten...) könnte es also sein, dass unser heutiger medizinischer Wissenstand als völlig überholt betrachtet wird und stattdessen andere Methoden zum Einsatz kommen, die unsere heutigen Probleme berücksichtigt und weitestgehend beseitigt haben. 

 

Dies scheint aber nicht für das "Gesetz der Anziehung" zu gelten. Hier wird dem Leser suggeriert, dass der Dargestellte Inhalt als Gesetzmäßigkeit anzusehen ist. Eine Gesetzmäßigkeit wie die Schwerkraft oder die Gravitation. Diese Herangehensweise der Autorin empfinde ich als schwierig. Denn der Leser bekommt den Eindruck, dass er sich zu jeder Zeit und zu 100% auf das Gesetz der Anziehung verlassen kann sich aber b) diesem Gesetz auch unter keinen Umständen entziehen kann, weil es einfach immer und überall gültig und existent ist. Beide Annahmen können erhebliche Nachteile mit sich bringen. Untermauert wird diese Behauptung durch Zitate von Albert Einstein, Abraham Hicks oder Buddah. Dies soll dem Leser vermitteln, dass diese Gesetzmäßigkeiten schon lange vor der Erfindung von "The Secret" existierten und dass die Großen dieser Welt so groß geworden sind, weil sie diese Gesetzmäßigkeiten kannten und angewendet haben. Meines Erachtens nach sprechen diese Zitate allerdings Aspekte an, die hier fälschlicherweise in den Kontext des Buches gesetzt werden. Eben, um Überzeugungsarbeit zu leisten. 

 

 

In den richtigen Kontext gesetzt

Obwohl es nach dem oberen Abschnitt den Eindruck erwecken könnte, möchte ich die Theorie des Gesetzes der Anziehung (in meinen Augen ist es eine Theorie) aber nicht gänzlich zerreissen. Denn in dem Buch finden sich durchaus viele sehr positive Aspekte und Hilfsmittel, wenn es darum geht, bestimmte Ziele im Leben zu erreichen. Entscheident ist, dass man das Gelesene in den richtigen Kontext setzt und es nicht 1:1 übernimmt. 

 

Das, was im Buch als 'Wunschenergie' dargestellt wird, nennen wir im Coaching auch 'Mindset' und es betitelt nichts anderes, als die Einstellung die es braucht, wenn man sich auf seinen Erfolgsweg begibt. Wer Angst hat, mit seinem Vorhaben zu scheitern, maximiert das Risiko, tatsächlich zu scheitern. Das liegt aber nicht am Universum, sondern an unserer daraus resultierenden Art, die Dinge anzugehen. Wer Angstfrei agiert, ist überhaupt erst in der Lage, sich auch mal kritisch zu hinterfragen und seine Fehler nicht als etwas Schlechtes anzusehen, sondern sie als Teil eines Prozesses zu betrachten und sie entsprechend zu nutzen. 

 

Tatsächlich sind unsere Gedanken in vielen Punkten entscheidend für unseren Erfolg. Allerdings nicht, weil wir auf wundersame Weise Dinge durch sie Anziehen, sondern weil wir uns auf gewisse Dinge fokussieren. Das ist ein ganz einfaches Prinzip: 

Wenn du dir einen Arm brichst und dann mit einem Gipsarm durch die Stadt läufst, werden dir plötzlich viele Menschen auffallen, die ebenfalls einen Gipsarm haben. Du wirst vielleicht sogar das Gefühl haben, im Moment würden sich sehr viele Menschen den Arm brechen. In Wahrheit sind es nicht mehr oder weniger als vor deinem Unfall. Du hast sie nur nicht registriert, weil dieser Umstand für dich nicht relevant war. Dass das so ist, verdanken wir aber keiner magischen Kraft. Es sind unsere Spiegelneuronen, die diesen Effekt entstehen lassen. Sicher auch spannend und faszinierend. Aber weder magisch, noch der Verdienst des Universums. 

 

Doch genau diesen Effekt können wir tatsächlich sinnvoll für uns nutzen. Denn stellen wir uns innerlich auf das Thema 'Erfolg' ein, befassen wir uns regelmäßig damit, lesen Artikel, hören Hörbücher, oder gehen in Coachings/Vorlesungen oder Seminare, kommen wir unweigerlich mit Menschen und Umständen in Kontakt, die sich ebenfalls mit diesem Thema beschäftigen. Dadurch erweitert sich unser Horizont. Wir hören Erfahrungsberichte, lernen von Menschen, die schon ein paar Schritte weiter sind als wir und die für uns relevanten Informationen herausfiltern und verwenden. 

 

Fazit 

Das "Gesetz der Anziehung" kann also durchaus ein Hilfsmittel zur Veränderung des eigenen Mindsets sein, wenn wir in der Lage sind, es kritisch und mit der nötigen Distanz zu betrachten. Wer ungefiltert alles aufnimmt und zu reproduzieren versucht, was dort beschrieben steht, wird wohlmöglich Situationen erschaffen, die er nicht beabsichtigt hat und sich dann fragen wie das eintreten konnte, obwohl er doch etwas völlig anderes "angezogen" hat. Wer es aber schafft, die Aussagen dieses Buches auf sich zu beziehen, ohne dem Universum die Verantwortung zu übergeben und zu glauben, er müsse nun keine eigenen Schritte mehr unternehmen, kann durchaus einen Benefit aus der Lektüre ziehen. 

Ich kann das Buch und den Inhalt also nicht uneingeschränkt empfehlen, denke aber, dass es bspw. als Ergänzung zu einem Coaching oder als schöne Geschichte mit guten Denkanstößen, durchaus seine Daseinsberechtigung hat. 

 

Wer es noch nicht kennt, oder nochmal reinschnuppern möchte, findet den Link dazu hier: