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Alles Abzocker!

Heute möchte ich mich einem Thema widmen, was mir und auch anderen Coaches immer wieder mal in unterschiedlicher Form, unterkommt. Dabei geht es mir weniger um eine Rechtfertigung des Berufsbildes "Coach", als vielmehr darum, ein paar Missverständnisse und falsche Annahmen, auszuräumen. 

Wer einmal einen guten Coach gefunden und mit seiner Hilfe gewisse Ziele umgesetzt hat weiss, dass es sich lohnen kann, in gewissen Lebensabschnitten, ein Coaching in Anspruch zu nehmen. Wer aber mit der Materie bisher wenig Kontakt hatte, kommt schnell ins Grübeln. Das ist teilweise sehr nachvollziehbar. Das Coaching ist hier in Deutschland noch immer ein Beruf ohne Schutz. Es ist also theoretisch für jeden möglich, sich Coach zu nennen und noch heute ein Coachingunternehmen zu gründen. Ohne jede Vorkenntnis. So ist es nicht verwunderlich, dass bei Außenstehenden schnell die Frage nach der Seriosität der Menschen aufkommt, die diesen Beruf wählen und ausüben. Das ist auch gut so! Denn natürlich gibt es auch in diesem Bereich "schwarze Schafe". Aber sind deswegen alle Coaches, Abzocker? Diese Frage und die Frage, woran man einen guten Coach erkennt, möchte ich in diesem Artikel beantworten. 

 

Gutes Coaching, schlechtes Coaching...

 

Wie wird man in Deutschland, Coach? Wie oben schon erwähnt, gibt es da den schnellen, zugegeben, nicht sehr effektiven Weg. Man bastelt sich ein Werbeschild, hängt es an die Hauswand, legt sich vielleicht noch ein nettes Facebookprofil zu, und nennt sich "Coach". Als selbsternannter Coach hat man zwar sehr schnell ein neues, berufliches Profil. Aber sehr schnell auch keine Klienten mehr. Denn die Menschen, die ernsthaft an einem Coaching interessiert sind, werden schnell durchschauen, dass hier das nötige Know-How fehlt und das Weite suchen. 

Auch, wenn der Coach in Deutschland nicht den Schutz genießt, den er in anderen Ländern bekommt, kann er -über verschiedene Ausbildungsinstitute, eine entsprechende Qualifikation erwerben und diese auch zertifizieren lassen. Dieser Weg ist natürlich der längere. Dafür stellt er sicher, dass es am Ende eine qualitativ hochwertige Dienstleistung möglich ist. Wer eine Ausbildung in diesem Bereich gemacht hat, verfügt über ein recht fundiertes Wissen in Bezug auf:

  1. Kommunikationstechniken
  2. Krisenmanagement
  3. Konfliktberatung
  4. Analyseverfahren
  5. Systemische Grundlagen
  6. Psychologische, soziale und psychosomatische Mechanismen

Darüber hinaus gibt es eine Reihe an Zusatzqualifikationen, die ein Coach mit der Zeit erwerben kann. Wer also ernsthaft an dem Beruf des Coaches interessiert ist, ist i.d.R. auch daran interessiert, eine solide Basis zu schaffen und darauf aufzubauen. Das bedeutet auch: Ein Coach, der sein "Handwerk" wirklich gelernt hat, hat nicht nur Zeit, sondern auch Geld in seine Ausbildung investiert. Natürlich ist das alleine noch kein Maßstab für die Einschätzung der später angebotenen Qualität seines Coachings. Es zeigt jedoch, dass er daran interessiert ist, sich wirklich mit dem Beruf, den Klienten und den Methoden, auseinanderzusetzen. 

Ein guter Coach weiss, dass er sich regelmäßig fortbilden und reflektieren muss.  

 

Coach vs. Psychologe? 

 

Was ist besser: Ein Coach oder ein Psychologe? 

Diese Frage kommt immer wieder mal auf. Für Aussenstehende ist der Unterschied nicht immer sofort ersichtlich. 

Ich versuche mal, diese Frage mit einer Gegenfrage zu beantworten: 

Was ist besser: Ein Bäcker oder ein Metzger? 

Die Antwort ist einfach: Das kommt darauf an, was man am Ende haben will. Niemand würde zu einem Bäcker gehen, ein Kilo Gehacktes bestellen und den Bäcker als unseriös oder überflüssig betiteln, wenn er sein Gehacktes nicht bekommt. 

Leider passiert das im Coaching aber durchaus. 

 

Ein Psychologe ist jemand, der Psychologie studiert hat und psychologische Erkrankungen bzw. Krankheitsbilder diagnostiziert und behandelt. Interdisziplinär mit Psychiatern oder bspw. auch Neurologen werden umfassende Heil- und Behandlungspläne erstellt, die sowohl therapeutische als auch medikamentöse Ansätze miteinbeziehen. Wer also bspw. an einer Psychose, einer klinischen Depression oder einer Angsterkrankung leidet, ist in den Händen eines guten Psychologen richtig gut aufgehoben. Mit einer solchen Thematik ist der Handlungsspielraum und die Kompetenz eines Coaches ganz klar überschritten und er würde sich strafbar machen, würde er bei Erkennen einer solchen Problematik, nicht zu einem entsprechenden Facharzt raten, bzw. den Klienten versuchen, durch ein Coaching zu „heilen“. 

Ein Coach (im Bereich der psych. Beratung) ist dafür ausgebildet, diese Krankheitsbilder zu erkennen (was sehr wichtig ist), darf sie aber unter keinen Umständen versuchen zu „behandeln“. Coaching ist KEINE Behandlungsform!

Ein Coach ist dann der richtige Ansprechpartner, wenn es darum geht, bestimmte Ziele zu erreichen oder gewisse Aspekte des Lebens zu verändern & zu verbessern. Er hilft seinen Klienten durch gezielte Frage- Analyse und Kommunikationsmethoden, Standpunkte zu verändern, Sichtweisen zu korrigieren und dadurch Wege zu entwickeln, Ziele klar zu formulieren und umzusetzen. Ein Coach kann sich auf bestimmte Themen spezialisieren. Sowohl im privaten als auch im beruflichen Bereich kommen Coachings immer häufiger zum Einsatz. Sie sind eine wertvolle Unterstützung im Bereich der persönlichen und beruflichen Ressourcenoptimierung. Ziel eines guten Coaches ist es langfristig, sich überflüssig zu machen, den Klienten also dazu zu befähigen, die im Coaching erlernten Methoden selbstständig aufzugreifen und umzusetzen. Ein Coaching hat also in der Regel einen vorher definierten, zeitlichen und inhaltlichen Rahmen. Dieser Rahmen wird gemeinsam mit dem Klienten gesteckt und in einem Vertrag festgehalten. Da es sich im Coaching nicht um die Wiederherstellung der psychischen Gesundheit dreht, ist ein Coaching -im Gegensatz zur Psychotherapie- KEINE Kassenleistung und richtet sich an Selbstzahler.

Wie schon erwähnt, ist ein Coaching kein Ersatz für eine Psychotherapie. Es kann aber eine wunderbare Ergänzung darstellen. Coaches und Psychologen/Psychotherapeuten stehen nicht in Konkurrenz zueinander. Wer bspw. an einer Suchterkrankung litt, die er durch einen Psychologischen Behandlungsplan in den Griff bekommen hat, steht im Nachhinein oft mit einem Haufen ungeklärter Lebensbereiche da, die es gilt, wieder in Ordnung zu bringen. Job, Wohnung, das familiäre Umfeld, eine gute Rückfallprävention... All diese Dinge können in einem Coaching angepackt und bearbeitet werden. Die Suchterkrankung selbst, gehört aber NIEMALS in die Hände eines Coaches. 

 

Ungeschützter Coach

 

Wie oben bereits kurz angesprochen, ist der Coach in seiner Berufsbezeichnung, nicht geschützt. Jedenfalls nicht in Deutschland. Das bedeutet, es gibt keinen Dachverband und keine Kammer, die ein Auge auf den Berufsstand hat und einheitliche Richtlinien festlegt. Das bedeutet aber nicht, dass es keine Richtlinien gibt. In Deutschland gibt es Fachverbände für den Bereich des Coaching, die sich damit auseinandersetzen, gewisse Standards für die Ausführung des Berufs, festzulegen. Auch gibt es ein ethisches "Regelwerk", welches durch den ICF (international coach federation) formuliert, ausgearbeitet und immer wieder auf Aktualität geprüft wird. Ein Coach, der einem Verband angehört (egal, ob ICF, VfP, DfC...) muss für seine Mitgliedschaft, eine entsprechende Ausbildung nachweisen. Viele Verbände verpflichten auch zu regelmäßigen Fortbildungen und einer bestimmten Stundenanzahl an Supervisionen pro Jahr. Diese müssen durch den Coach wahrgenommen und nachgewiesen werden. Ein Coach, der einem solchen Verband angehört, hat sich verpflichtet, die Standards der Ethikkommission einzuhalten und sich nach den Vorgaben des jeweiligen Fachverbandes, zu richten. Wer also auf der Suche nach einem seriösen Coach ist, kann die Zugehörigkeit zu einem Fachverband, durchaus als Qualitätsmerkmal betrachten. Dass das Coaching in Deutschland nicht als geschützte Berufsbezeichnung anerkannt ist, ist also nicht zwangsläufig ein Anzeichen dafür, dass es einer hohen Qualität und Qualifikation entbehrt. 

 

Coaching ist nicht gleich Coaching! 

 

Im Coaching ist es wie in vielen Berufsbereichen. Es gibt nicht DEN Coach, der immer nach Schema F verfährt. Im Coaching gibt es viele verschiedene Ausrichtungen und Schwerpunkte. So gibt es Coaches, die sich auf den Bereich der Familienberatung spezialisiert haben, Coaches, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten oder solche, die im Business-Bereich tätig sind und bspw. Firmen und Konzerne beraten und coachen. Ob ein Coaching erfolgreich ist, hängt auch damit zusammen, ob die Ausrichtung des Coaches mit den Zielen des Klienten übereinstimmen. Dies gilt es, individuell in einem Erstgespräch herauszufinden. Stellt sich hierbei heraus, dass Die Schwerpunkte des Coaches nicht mit den Themen des Klienten übereinstimmen, wird ein guter Coach dies kommunizieren und dabei helfen, einen passenden Coachingpartner zu finden, sofern dies gewünscht ist. 

 

Erfolgreiches Coaching 

 

Natürlich hängt der Erfolg eines Coachings auch von der Qualität eines Coaches und seiner Arbeit ab. Aber dies ist nicht der einzige Faktor für einen Erfolgreichen Abschluss eines Coachings. Ob ein Coaching erfolgreich ist, bzw. sein kann, ist von verschiedenen Faktoren abhängig:

 

1. Stimmt die Chemie zwischen Coach und Klient? 

Ist auf beiden Seiten eine gewisse Sympathie vorhanden, ist dies eine gute Grundvoraussetzung. Dann ist eine offene, vertrauensvolle Kommunikation möglich. Diese ist maßgeblich für ein Coaching. 

 

2. Motivation auf beiden Seiten?

Sind beide Seiten motiviert, sich mit der Thematik auseinanderzusetzen? Das klingt erstmal komisch. Jedoch ist es gar nicht selten, dass Klienten in ein Coaching kommen, weil es ihnen von Dritten geraten wird. Solche Klienten kommen in ein Coaching, um vielleicht gewissen Diskussionen aus dem Weg zu gehen, den Chef zufriedenstellen zu können, oder dem Streit mit der Ehefrau aus dem Weg zu gehen. Dies sind sehr ungünstige Beweggründe, um ein Coaching in Anspruch zu nehmen. Denn ein positiver, effektiver Coachingprozess hängt maßgeblich von der aktiven Beteiligung des Klienten ab. Aber auch auf der anderen Seite kann es sein, dass eine gewisse Motivation fehlt. Z.b. dann, wenn der Coach mit einer Thematik betraut wird, die nicht in seinen Themenbereich fällt. Ein Coach, der normalerweise Businesskunden coacht, wird sich wahrscheinlich schwer damit tun, sich mit der Thematik zu befassen, die eigentlich in den Bereich "Familiencoaching" fallen würde, und andersrum. 

 

3. Sind die Coachingziele realistisch?

 

Zu Beginn eines Coachings wird mit dem Klienten gemeinsam ein (oder mehrere) Ziel für das Coaching formuliert. Ist das Ziel erreichbar, ist dies eine gute Voraussetzung für den Erfolg eines Coachings. Ist es aber (aus welchen Gründen auch immer) aus der aktuellen Situation heraus nicht erreichbar, sollte eine Anpassung der Zielformulierung stattfinden. Erst wenn für beide Seiten das Ziel stimmig und erreichbar erscheint, kann ein Coaching zum gewünschten Erfolg führen. 

 

Natürlich gibt es noch etliche Faktoren, die zum Erfolg oder Misserfolg eines Coachings führen können. Doch die drei oben aufgeführten sind mit abstand die relevantesten. 

 

Fazit:

 

Ein Coaching kann eine sehr wertvolle Sache sein. Für das Erreichen von Zielen, das Erkennen störender Mechanismen und den Umgang mit schwierigen Situationen, kann ein Coaching Gold wert sein, wenn die Weichen richtig gestellt sind und der Coachingansatz zum Klienten und seiner Thematik passt. 

Coaches sind nicht automatisch Abzocker, nur, weil ihr Berufsstand nicht geschützt ist. Sie haben auch nicht den Anspruch, einen Psychologen zu ersetzen und sie sind keine "selbsternannten Therapeuten". Ein Coaching kostet Geld, weil es eine Dienstleistung ist. Das Gespräch mit dem Klienten ist nur ein Teil der Arbeit. Denn nur mit einer gewissenhaften Vor- und Nachbereitung eines jeden Gespräches, kann ein Coaching strukturiert ablaufen und dem Klienten eine sinnvolle Unterstützung bieten. Wer also ein Coaching in Anspruch nimmt, nimmt eine zu bezahlende Dienstleistung in Anspruch.

Ein Coaching hat, wie eine Therapie, keine Garantie für einen Erfolgreichen Abschluss. Ein seriöser Coach wird also nicht behaupten, dass sein Coaching in jedem Fall zum Erfolg führt. Es gibt viele, individuelle Faktoren, die den Erfolg oder Misserfolg begünstigen. 

 

Wer mit dem Gedanken spielt, ein Coaching in Anspruch zu nehmen, sollte die oben aufgelisteten Qualitätsmerkmale berücksichtigen. Dann stehen die Chancen sehr gut, einen seriösen Coach zu finden, der sein "Handwerk" auch wirklich gelernt hat. Darüber hinaus sollte er sich bewusst darüber sein, dass das Coaching nur zum Erfolg führen kann, wenn er einen gewissen Eigenanteil und die Bereitschaft zur Zusammenarbeit mitbringt. 

 

Sind diese Faktoren erfüllt, steht einem professionellen, fundierten Coaching mit aussicht auf einen erfolgreichen Abschluss, nichts im Wege.