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Irgendwas geht immer!

Es gibt eine Situation, die von vielen Menschen -und gerade von jenen, die sich aktuell in einem Erfolgsprozess befinden- gefürchtet wird: Der Stillstand! Wenn nichts geht und wir uns weder vor- noch zurückbewegen können, kann es einem schon mulmig werden. Ängste machen sich breit. Die Angst, sein Ziel aus den Augen zu verlieren, die Angst, den Stillstand als Dauerzustand hinnehmen zu müssen und die Angst, vor... Ja, vor was eigentlich? Warum ist der Stillstand so unbeliebt bei uns? Wir fahren in den Urlaub und geben viel Geld dafür aus, um diesen Stillstand bewusst herbeizuführen. Aber nähert er sich uns im Alltag, bekommen wir Schweißperlen auf der Stirn und stellen uns die Frage, was geht, wenn nichts mehr geht. Und diese Frage beantworte ich Dir heute in diesem Blogartikel. 

Du wirst sehen: Stillstand ist nicht so bedrohlich, wie er zunächst aussieht. 

 

Wie kommt der Feind ins Haus?

Ein Stillstand kann unser Leben gehörig auf den Kopf stellen. Aber: Woher kommt er eigentlich und wie entsteht Stillstand überhaupt? 

 

Grobgefasst kann man sagen, dass es drei Varianten gibt, die zur Entstehung eines Stillstandes führen. Schauen wir uns diese Varianten einmal näher an:

 

Variante 1: Von 100 auf 0 in 3 Sekunden

 

Sekunde 1: Hohe Motivation

In diesem Stadium haben wir etwas entdeckt, was unsere Motivation, ein Ziel zu erreichen, massiv steigert, bzw. ein Ziel in uns entstehen lässt, dass uns dazu bringt, automatisch in die Vollen zu gehen. Wir rennen los und schauen nicht mehr nach links oder rechts. Alles, was wir tun müssen, um unserem Ziel näher zu kommen, tun wir. Und zwar SOFORT. 

In diesem Stadium macht es uns meistens viel Spaß, uns mit der neuen Materie zu befassen. Der Zauber, der diesem Neuen inne wohnt, lässt uns zu Höchstformen auflaufen. Eigentlich ein gutes Zeichen. Ein Zeichen dafür, dass wir etwas gefunden haben, was nicht nur unsere Begeisterung geweckt, sondern auch unsere Leidenschaft entfacht hat. 

 

Sekunde 2: Übermäßig hohe Standarts

Aus dieser hohen Motivation heraus fassen wir den Entschluss, genau so wie wir angefangen haben, auch weiterzumachen.

Wir setzen einen Standart, der so hoch ist, dass wir um ihn halten zu können, alles Andere um uns herum, ausklammern müssen. 

Es liegt in der Natur der Sache, dass das nicht lange anhält, wenn wir keinen echten Ausgleich schaffen. Aber dazu später mehr. 

Haben wir einmal diesen Standart definiert (wenn auch unterbewusst), haben wir uns ganz nebenbei einem enormen Druck ausgesetzt, dem es nun gilt, standzuhalten. Am Anfang gelingt uns das meistens auch. Doch je mehr Druck wir empfinden, desto niedriger wird unser Motivationslevel mit der Zeit. 

 

Sekunde 3: Akku auf unter 0%

Diese Abwärtsspirale ist meistens kurz aber effektiv. Binnen kürzester Zeit finden wir uns an einem Punkt wieder, an dem nichts mehr geht. Unsere Kraft ist aufgebraucht, die Motivation an ihrem Tiefpunkt angelangt und der Spaß an der Sache ist nur noch eine vage Erinnerung. Wir sind ausgebrannt und das ganz ohne fremde Hilfe. 

 

Variante 2: Drei Hochzeiten

 

Bei dieser Variante tanzen wir auf mehreren Hochzeiten gleichzeitig und das, obwohl doch jeder weiss, dass das nicht geht. Aber wie kommt es überhaupt dazu? 

 

Meistens ist es das Resultat einer Verkettung verschiedener Ereignisse in einem kurzen, zeitlichen Abstand. Es kann also sein, dass wir bspw. gerade ein Ziel formuliert haben, mit dem wir uns nun intensiv beschäftigen möchten, kurze Zeit drauf aber von einem Freund um Hilfe gebeten werden, weil er dringend sein Auto reparieren muss, aber gerade kein Geld für die Werkstatt hat. Kein Problem, denken wir und helfen ihm natürlich. Doch einen Tag später ruft der Chef nach Feierabend an und betraut uns mit einem wichtigen Kundenauftrag, der keinen Aufschub duldet. 

Jetzt stehen wir da und haben drei, für uns gleichsam wichtige, Baustellen. Wir wollen unser eigenes Ziel nicht hinten anstellen, unserem Kumpel nicht unsere Hilfe verwehren und den Auftrag zu versauen, können wir uns auch nicht leisten. Also fangen wir an, uns dreizuteilen und machen einen Zeitplan der zwar gewährleistet, dass wir alles irgendwie unterkriegen. Aber Atempausen kalkulieren wir leider nicht mit ein. So tragen wir plötzlich Verantwortung für drei Projekte, denen wir keine Prioritätsabfolge zugeteilt haben. Wir investieren also in alle drei Bereiche die gleiche Energie. Auch das geht -wie in Variante 1- erstmal eine Weile gut. Doch wir merken, wie mit der Zeit immer mehr Energie verloren geht und unsere Projekte uns quasi auffressen. Ziehen wir jetzt nicht die Reißleine, steuern wir unweigerlich auf den Stillstand zu. 

 

Variante 3: Der Downer 

 

Diese Variante ist die gemeinste, weil wir uns ihr nicht entziehen können und ihr auch nicht wirklich vorbeugen können. Sie trifft uns plötzlich und kann binnen Sekunden, alles lahmlegen. 

 

Es kann sein, dass wir uns schon auf der Zielgeraden befinden. Alles läuft wie am Schnürchen, unsere Motivation ist ungebrochen, und wir sind nur einen Augenaufschlag vom Ziel entfernt. Wir riechen förmlich schon den Duft unseres Erfolgs und sind in Gedanken schon mit der Frage beschäftigt, wie wir unseren Erfolg denn feiern wollen. Doch dann passiert es. Der Downer kommt und er ist gnadenlos. Ohne lange zu überlegen reißt er uns zu Boden und schleift uns am Fußgelenk zurück zum Start. Der Downer hat viele Gesichter. Er kann in Form von Krankheiten, unerwarteten Rechnungen, oder Schicksalsschlägen jeder erdenklichen Couleur daherkommen. Aber egal in welchem Gewand er auf uns zukommt, er trifft hart und unerwartet. 

 

Kaffe anbieten oder vom Hof jagen? 

Der Feind ist da. Er hat sich eingenistet und macht nicht gerade den Eindruck, als würde er gleich wieder aufbrechen wollen. Was machen wir nun mit ihm? Kämpfen wir gegen ihn an oder setzen wir einen Kaffee auf und plaudern eine Weile? 

 

Beide Varianten sind möglich. Natürlich können wir jetzt anfangen, unsere übergebliebene Energie in die Bekämpfung des ungebetenen Gastes zu investieren. Wir können versuchen, systematisch einen Weg zu schaffen, mit dem wir unsere Motivation wieder auflodern und unser Ziel wieder aufnehmen können. Haben wir einmal erkannt, dass eine sinnvolle Strategie, hilfreich ist, können wir mit dieser Methode durchaus ans Ziel kommen. Allerdings hat diese Methode einen entscheidenden Nachteil: Wir gewinnen unsere Energie nicht zurück! Kommen wir dann also am Ziel an, sind wir so erschöpft, dass wir unser Ziel weder genießen können, noch wirklich in der Lage sind, uns von hieraus weiterzuentwickeln. Ein erneuter Stillstand ist also das Risiko. 

 

Kaffee ist der Königsweg! 

Die eleganteste Lösung ist tatsächlich, das Nichtstun. Wer in der Lage ist, einen Stillstand als vorübergehenden Zustand zu begreifen und anzunehmen, kann ihn nutzen, um Kraft zu sammeln und Abstand zu gewinnen. Wenn wir Abstand zu einer Sache entwickeln, die uns emotional und geistig sehr fordert, sind wir im Anschluss in der Lage, uns sinnvoller zu strukturieren. Der Drang, die Dinge sofort umsetzen zu wollen, lässt nach. Das bedeutet nicht, dass wir in eine Lethargie verfallen. Aber wir gehen die Dinge gelassener an. Wir können Prioritäten setzen und uns so systematisch an unser Ziel heranarbeiten. Wenn wir das schaffen, kommt auch die Motivation und die Freude an unserem Tun ganz schnell zurück. Nur haben wir jetzt gelernt, dass wir beides sparsam und überlegt einsetzen müssen, um langfristig etwas davon zu haben. 

Am besten gelingt das, wenn wir lernen, den Stillstand nicht als Feind zu betrachten, sondern ihn zum Freund machen. Er zwingt uns dazu, auf uns selbst besser aufzupassen, inne zu halten, Ruhepausen zu machen und Kraft zu tanken. Er sagt uns "Ey, willst du wirklich so weitermachen? Du wirst deine Energie verbraucht haben, lange bevor du ins Ziel kommst." 

Nehmen wir diese Botschaft an (und ernst), kann sie uns helfen, unsere Motivation, unsere Kraft und unsere Freude, langfristig aufrechtzuerhalten und unser Ziel entspannt und mit klarem Geist, zu erreichen.